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Forschungsverbund Öko-Trans

Kreis Böblingen: Wie das „Bio“ ins Kantinenessen kommt

Interview mit dem Wisenschaftler Reiner Braun über Regionalität und Ökologie bei Lebensmitteln / Das neue Programm der VHS Böblingen-Sindelfingen
Von Andrea Laufer-Newcomb*
Wie Nahrungsmittel aus regional-ökologischer Erzeugung und Verpflegung in Kantinen zusammengebracht werden können, untersucht der Forschungsverbund Öko-Trans. Reiner Braun vom Herman Hollerith Zentrum (HHZ) der Hochschule Reutlingen mit Sitz in Böblingen forscht dazu.    Bild: z

Wie Nahrungsmittel aus regional-ökologischer Erzeugung und Verpflegung in Kantinen zusammengebracht werden können, untersucht der Forschungsverbund Öko-Trans. Reiner Braun vom Herman Hollerith Zentrum (HHZ) der Hochschule Reutlingen mit Sitz in Böblingen forscht dazu. Bild: z

Böblingen/Sindelfingen. Wie Nahrungsmittel aus regional-ökologischer Erzeugung und die Verpflegung in Kantinen, die sogenannte Außer-Haus-Verpflegung, zusammengebracht werden können, untersucht der Forschungsverbund Öko-Trans im Rahmen der Öko-Landbauforschung Baden-Württemberg. Reiner Braun (Bild: z) vom Herman Hollerith Zentrum (HHZ) der Hochschule Reutlingen mit Sitz in Böblingen forscht dazu. Wir bringen einen Auszug des Interviews mit Reiner Braun aus der aktuellen Programmzeitschrift der VHS Böblingen-Sindelfingen.

Womit genau beschäftigt sich der Forschungsverbund Öko-Trans?

Reiner Braun: „Öko-Trans untersucht, wie die regionale Produktion von Bio-Lebensmitteln in Baden-Württemberg nachhaltig gesteigert und gleichzeitig eine regionale Vermarktung sichergestellt werden kann. Denn ein stabiler Absatzmarkt ist eine Grundvoraussetzung, um die Produktion beziehungsweise die Umstellung auf Bio-Lebensmittel für regionale landwirtschaftliche Betriebe attraktiv zu machen. Dabei ist die Außerhausversorgung ein zentraler Absatzmarkt: Die Gemeinschaftsverpflegung in Betriebsrestaurants in Deutschland war im Jahr 2017 einer der größten Absatzmärkte von Lebensmitteln, welcher ganzjährig eine große und relativ konstante Menge an Lebensmitteln nachfragte.“

Wie denken die Kantinengäste zum Thema Bio-Produkte und Bio-Kantinenversorgung?

Braun: „Dieser wichtigen Frage gehen wir nach und haben hierfür eine erste Umfrage an der Kantine des Landkreises Böblingen durchgeführt. Der gute Geschmack wurde als ein wichtiger Faktor genannt, gefolgt von der Regionalität der Lebensmittel. Ein Viertel der Befragten gaben eine artgerechte Tierhaltung und das Tierwohl als wichtig an. Eine Frage war auch die Bereitschaft, eine Kostenerhöhung für mehr Bio auf dem Teller hinzunehmen. Würde ein Anteil von 50 Prozent Bio angeboten werden, waren die Befragten bereit, im Mittel einen Aufschlag von 67 Cent pro Gericht in Kauf zu nehmen. Wir können die Umfrage nicht verallgemeinern, daher arbeiten wir gerade an einer größeren Befragung, welche an mehreren Kantinen in Baden-Württemberg durchgeführt wird.“

Wie schätzen Sie die Zukunft hin zu mehr Bio in der Außer-Haus-Verpflegung ein?

Braun: „Persönlich glaube ich, dass der Wunsch nach mehr Bio und insbesondere nach Bio aus der Region bei den Kantinenbesuchern sehr hoch ist. Hürden liegen vor allem in der komplexen Beschaffung und Logistik. Hier kann uns die Digitalisierung von Prozessen einen großen Schritt weiterbringen. Wichtig ist es aber auch, Dinge nicht zu kompliziert zu machen und somit die Kosten zu erhöhen, die dann letztendlich auf das Essen aufgeschlagen werden.“

( *Andrea Laufer-Newcomb ist bei der VHS Assistentin der Geschäftsleitung und PR.)

Das gesamte Interview gibt es in der aktuellen Programmzeitschrift der VHS. Infos unter www.vhs-aktuell.de.

Zur Person: Reiner Braun ist leitender Wissenschaftler am Herman Hollerith Zentrum (HHZ) der Hochschule Reutlingen. Er ist Leiter des Smart City Living Labs, seine Forschungsaktivitäten konzentrieren sich auf die Entwicklung von Energie- und Mobilitätskonzepten für Regionen und Städte, IoT-Netzwerke, Datenanalyse und der Entwicklung von städtischen Datenmodellen.