

Tischtennis. 75 Jahre alt wird die Tischtennis-Abteilung der SV Böblingen am 1. September. Ein Dreivierteljahrhundert mit außergewöhnlichen sportlichen Hochs, aber auch so manchen Tiefs. Ein Rückblick:
Frauen-Tischtennis wurde bei der SVB schon früh großgeschrieben. 1965, parallel zu den Männern, stiegen auch die SVB-Frauen in die Oberliga Süd auf, aber bald darauf wieder ab. Hannelore Förster, Christel Meier, Karin Nägele, Ingrid Schwarz, Traudel Dieterich und Susi Morat sind Namen aus dieser Zeit. 1981 begann dann ein neuer Höhenflug. In die Wege geleitet von Macher Frank Tartsch mit Andrea Leutritz und Sonja Knoblich. Über Verbandsliga, Oberliga, Regionalliga ging es 1989 in die 2. Bundesliga.
Mit Nordlicht Corinna Vollbrecht, der deutschen Jugendmeisterin Silke Marx, Betty Westphal, Carmen Steiger und Trainer Henning Meier. 1991 dann der Aufstieg in die 1. Liga mit Jugend-Europameisterin Nicole Delle. Dann kam He Qianhong (die spätere Hongi Gotsch) aus China, wurde mit 795 Siegen zur Ikone und sorgte mit Unterbrechungen für 25 Jahre 1. Liga in Böblingen. Zusammen mit großen Namen wie Nicole Struse, Xu Yanhua, Trainer Volker Ziegler und anderen. Viermal Rang vier waren die besten Endplatzierungen.
2024, nach dem Tod des genialen Organisators Frank Tartsch, war plötzlich Schluss. Eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger, sei es im Nebenjob oder im Ehrenamt, wurde nicht gefunden. Wohl auch, weil das Produkt Frauen-Bundesliga aufgrund der zunehmenden internationalen Individualsport-Termine an Attraktivität mehr und mehr abnimmt. Letztes Highlight: Annett Kaufmann, noch in SVB-Diensten, wird im November 2024 U19-Weltmeisterin im Einzel.
1951 gründeten sieben Enthusiasten die Tischtennis-Abteilung. Günther Leutritz kam kurz danach aus Dresden und dominierte zusammen mit Alfred Zimnol in den 1950er-Jahren. 1965 führten Helmut Neusser und Ernst Kegreiß, dreifacher süddeutscher Jugendmeister, die SVB in die Oberliga, höher ging es damals nicht. Nach einem dramatischen 8:8 im Entscheidungsspiel gegen Freiburg. Gerold Pfrommer gehörte auch zum Team und ist auch heute noch ein interessierter Beobachter. Nach zwei Jahren Oberliga ging es wieder runter.
1971 kam Harijanto Listijosuputro aus Indonesien nach Böblingen. Nach drei Jahren wurde er zu gut für die SVB, ging zum SSV Reutlingen und wurde dort deutscher Mannschaftsmeister. Jürgen Spengler war der Böblinger Tischtennis-Held der 80er-Jahre. 1985 gab es mit ihm die Vizemeisterschaft in der Verbandsliga. Danach wirkte Volker Ziegler als Spielertrainer. Das erste Jahrzehnt des neuen Jahrtausends prägte vor allem Andreas Junker mit seinem feinen Händchen.
Das Jahr 2008 markierte dann einen Tiefpunkt in der Böblinger Männer-Geschichte: Erstmalig war die SVB in der Landesliga siebtklassig. Ali und Hassan Hosseini und Arno Egger brachten die SVB wieder nach vorne. Dann kamen Tim Kimmerle, das von Jugendleiter Thomas Stegemann ausgebildete Eigengewächs Luis Hornstein und Pascal Timke und sorgten 2024 für den Aufstieg in die Verbandsoberliga. Mit Andrew Schönhaar aus Schönaich und Jan Hartmann gelang in diesem Jahr wieder der ersehnte Aufstieg in die Oberliga.
Fünf deutsche Meisterschaften wurden von der SV Böblingen in der Sporthalle Böblingen durchgeführt. Die erste sollte im Januar 1966 in der neuen Halle an der Stettiner Straße stattfinden. Auf Initiative von Abteilungsleiter Günther Leutritz, der seine Kontakte zum mächtigen Tischtennis-Boss Jupp Schlaf nutzte. Doch die Halle wurde nicht planmäßig fertig. Es gab Verzögerungen, unter anderem durch Starkregen, der den Murkenbach anschwellen ließ und die Baustelle unter Wasser setzte.
Leutritz gab die Austragung schweren Herzens an den Verband zurück, bekam aber eine neue Chance und für Januar 1968 erneut den Zuschlag. Diesmal klappte es: Eberhard Schöler wurde vor 2500 Zuschauern in Böblingen deutscher Meister gegen Bernt Jansen. 1981, 1989, 1995 und 2001 wurden unter der Leitung von Frank Tartsch weitere Titelkämpfe in Böblingen durchgeführt. Dazu Länderspiele gegen Südkorea 1970 und Ungarn 1986 sowie das Europa-Ranglistenturnier im Jahre 1973. Sicher wäre noch die eine oder andere hochkarätige Veranstaltung dazugekommen. Doch seit 2008 gibt es keine repräsentative Sporthalle mehr in der Kreisstadt.
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